Stickoxide: Wie dreckig sind deutsche Großstädte?

Die Luftverschmutzung ist in vielen Städten ein Problem im gesamten Stadtgebiet, besonders für Kinder, Schwangere, kranke und ältere Menschen. Finden Sie heraus, wie belastet die Straßen in Ihrer Nähe sind.


	
	
	

	
	
0 µg/m³
20 µg/m³
40 µg/m³
60 µg/m³
80 µg/m³

Die Karten zeigen die durchschnittlichen Stickstoffdioxid-Belastungen der Hauptstraßen an. Für Nebenstraßen liegen keine Daten vor. In München und Darmstadt werden lediglich Straßen ab 20 µg/m³, in Frankfurt und Wiesbaden ab 30 µg/m³ angegeben. Der gesetzliche Grenzwert für die durchschnittliche Jahresbelastung mit Stickstoffdioxid liegt bei 40 µg/m³.

Hohe Schadstoffbelastung in vielen Straßen

Die Luftverschmutzung mit dem gesundheitsschädlichen Reizgas Stickstoffdioxid ist in vielen Städten innerhalb des ganzen Stadtgebiets problematisch. Das verdeutlicht unsere interaktive NOx-Karte. Anders, als die aktuelle Diskussion nahelegt, ist in vielen Großstädten ein großer Teil der Stadtbevölkerung betroffen, weil Menschen entlang belasteter Straßen leben, arbeiten oder sich dort täglich bewegen.

Auch Schulen und Kitas liegen an Straßenabschnitten, an denen die NO2-Grenzwerte überschritten werden. Kinder sind besonders empfindlich gegenüber Stickoxiden. Die Karte verdeutlicht: Fahrverbote an einzelnen Straßen sind nicht genug, es braucht umfassendere Maßnahmen wie die blaue Plakette und Hardwarenachrüstungen für Dieselfahrzeuge. So schnell wie möglich muss eine echte Verkehrswende Fahrt aufnehmen, weg von Diesel und Benzinern, um unsere Städte abgasfrei und lebenswerter zu machen.

Hinweis: Die Karte zeigt aktuelle offizielle Modellierungsdaten der jeweiligen Städte – keine Messergebnisse. Die Modellierungen haben die zuständigen Behörden in Auftrag gegeben, um die Stickstoffdioxidbelastungen entlang aller Hauptstraßen im Stadtgebiet zu bestimmen. Sie beruhen auf den neuesten verfügbaren Daten zum Verkehrsfluss, der Bebauung, den vorherrschenden Witterungsbedingungen sowie den Ergebnissen der Luftmessstationen.

Berlin

In Berlin finden sich hohe Stickstoffdioxidbelastungen nicht nur in der Innenstadt, sondern auch jenseits des S-Bahn-Rings. Aufgrund anhaltender schlechter Luft hat das Berliner Verwaltungsgericht Fahrverbote für mindestens 11 Straßenabschnitte angeordnet. Sie sollen spätestens zum 1. Juli 2019 in Kraft treten, weitere werden noch geprüft. Neben den angeordneten Fahrverboten setzt der Berliner Senat verstärkt auf zusätzliche Tempo-30-Zonen, bei denen allerdings umstritten ist, wie viel sie zu sauberer Luft beitragen können.

Hamburg

In Hamburg gelten seit dem 31. Mai 2018 Dieselfahrverbote auf Teilen der Max-Brauer-Allee und der Stresemannstraße (dort lediglich für Lkw). Deutliche Grenzwertüberschreitungen gibt es aber auch an vielen weiteren Straßenabschnitten, wie die interaktive Karte zeigt. Für diese Straßen hat die Stadt allerdings keine Fahrverbote verhängt. Erste Untersuchungen zeigen, dass sich die Hoffnung auf bessere Luft an den gesperrten Straßen nicht erfüllt hat. Gleichzeitig steigt die Belastungan Ausweichstraßen um die Max-Brauer-Allee und die Stresemannstraße.

München

München ist die Stickoxid-Hauptstadt Deutschlands. Hohe Konzentrationen gibt es in der gesamten Innenstadt. In einem Viertel der Hauptstraßen im Stadtgebiet wird gar der Grenzwert von 40 ug gerissen. Trotzdem stellt sich die CSU geführte Landesregierung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts und verweigert die Vorbereitung von Fahrverboten. Die Gerichte prüfen deshalb nun Beugehaft gegen Verantwortliche wie den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und seinen Umweltminister Thorsten Glauber.

Frankfurt

Frankfurt ist Deutschlands Pendlerhauptstadt. Da viele Menschen das Auto nutzen, um in die Stadt zu gelangen oder sich dort zu bewegen, leidet die Innenstadt unter hohen NO2-Konzentrationen. Das hessische Verwaltungsgericht hat deshalb Stadt und Land dazu verpflichtet, ab dem 1. Februar 2019 mit einer Fahrverbotszone für Diesel und alte Benziner Abhilfe zu schaffen. Das Land Hessen hat jedoch gegen das Urteil Berufung eingelegt. Bis diese vor dem Oberverwaltungsgericht in Kassel verhandelt wird, müssen die Fahrverbote nicht eingeführt werden.

Wiesbaden

In Wiesbaden finden sich in der gesamten Innenstadt Straßen mit hohen Stickstoffdioxidbelastungen. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, das für die jetzige Situation zumindest in Teilen mitverantwortlich ist, leiden unter den Grenzwertüberschreitungen. Das Ministerium residiert am Kaiser-Friedrich-Ring, einer der meistbelasteten Straßen der Stadt. Das Verwaltungsgericht hat noch nicht entschieden, ob in Wiesbaden Fahrverbote verhängt werden müssen.

Darmstadt

Selbst in einer vergleichsweisen kleinen Stadt wie Darmstadt finden sich in der Innenstadt erhöhte Stickoxidkonzentrationen und Grenzwertüberschreitungen an einzelnen Straßen. Fahrverbote wird es ab dem 1. Juni 2019 für die Hügelstraße am City-Tunnel und die Heinrichstraße geben.

Stand: Januar 2019

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Häufige Fragen

Greenpeace macht erstmals offizielle Modellierungsdaten zur Stickstoffdioxid-Belastung in den Hauptstraßen von Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt benutzerfreundlich zugänglich. Da die Modellierungen die Nebenstraßen nicht berücksichtigen, kann deren Belastung in der Karte nicht dargestellt werden. Die Stickstoffdioxid-Belastung in Städten ist abhängig vom Verkehr, dem Wetter und der Bebauung an den Straßen – diese Daten fließen in die Berechnung ein.

Wie Grenzwertüberschreitungen per Modellierung festgestellt werden, lässt sich beispielhaft am Untersuchungsbericht des Bayerischen Landesamtes für Umwelt nachvollziehen.

Das Verkehrsaufkommen wird nicht jährlich analysiert. Weil für eine Modellierung alle Daten aus demselben Jahr stammen müssen, sind in unserer Karte jeweils die Jahre berücksichtigt, für die sämtliche Daten vorliegen: für Hamburg das Jahr 2014, in Berlin und München 2015, für die hessischen Städte 2017. Dies sind die aktuellsten verfügbaren Modellierungsergebnisse, die auch vor Gericht zu Rate gezogen werden, um darüber zu entscheiden, ob Dieselfahrverbote notwendig sind. Stickoxid stammt zu weit überwiegendem Teil aus dem Straßenverkehr, größtenteils von den Abgasen von Dieselautos.

Bei einem Wert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3) wird der gesetzliche NO2-Grenzwert überschritten, daher sind auf der Karte solche Straßenabschnitte rot gefärbt. Ab 60 µg/m3 wird die Farbskala dunkelrot und ab 80 µg/m3 schwarz, um zu verdeutlichen, dass hier die Werte weit über dem Grenzwert liegen. Werte von 20 bis 40 µg/m3 sind gelb bis orange gefärbt, denn sie liegen zwar unter dem Grenzwert, sind aber nicht gesundheitlich unbedenklich. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen beispielsweise empfiehlt einen NO2-Grenzwert von nur 20 µg/m3.

Sie können selber aktiv werden:

  • Messen Sie selbst die Schadstoffbelastung vor Ihrer Haustür und bekommen Sie so noch genauere und aktuellere Daten. Gern schicken wir Ihnen hierzu unser Infoblatt „Luftmessungen“.
  • Wenden Sie sich an ihre/n Bürgermeister/in und ihre Landesregierung und fordern Sie diese auf, endlich wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Beispiele sind weiträumige Fahrverbote für Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß, eine schnelle Einführung oder Ausweitung einer Umweltzone sowie der Ausbau von Alternativen wie Bus-, Bahn, und Radverkehr.
  • Sie können Ihr eigenes Fahrverhalten ändern: Jede Strecke, die Sie mit dem Fahrrad statt mit dem Auto fahren, senkt auch die Schadstoffbelastung in Ihrer Straße.
NO2 reizt und schädigt die Lunge. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass NO2-Belastungen gesundheitliche Langzeitfolgen haben. Nach Schätzungen der Europäischen Umweltagentur führt NO2 alleine in Deutschland zu mehr als 13.000 vorzeitigen Todesfällen jährlich. Ein besonderes Risiko gibt es für ältere Menschen, Schwangere und Kinder: Bereits eine um 10 Mikrogramm erhöhte NO2-Konzentration steigert etwa das Risiko eines Kindes für Asthmaerkrankungen um 15 Prozent. Das Schweizer Gesundheitsinstitut Swiss TPH hat den Stand der Forschung für Greenpeace zusammengefasst.