Krankes System Billigfleisch

Das System Billigfleisch ist krank: Der Corona-Ausbruch bei Tönnies und anderen Schlachtbetrieben liefert erneut Belege für die verantwortungslose Ausbeutung von Arbeiter*innen, die Qual der Tiere, das leichtfertige Spiel mit unserer Gesundheit und die gefährlichen Folgen für die Umwelt.

 

 

Die  aktuellen Ereignisse hat  unser geschäftsführender Vorstand Martin Kaiser zum Anlass genommen, sich im Namen von Greenpeace mit einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zu wenden. Dieser Brief wurde Frau Klöckner am 30. Juni 2020 vor Veröffentlichung per Email zugesandt. 

 

Die Ministerin und ihre Vorgänger*innen von der CDU/CSU haben jahrelang nötige Reformen verschleppt, blockiert und auf freiwillige Besserung der Branche gesetzt. So kann es nach der Corona-Krise nicht weitergehen!

Darum unterzeichnen auch Sie den Brief an Julia Klöckner: Fordern Sie die Ministerin auf, endlich Verantwortung zu übernehmen und Schluss zu machen mit dem kranken System Billigfleisch.

 

Mehr als 73.000 Menschen haben den Brief bereits mit ihrer Unterschrift bekräftigt. Fügen auch Sie Ihren Namen hinzu und unterzeichnen jetzt!

Offener Brief - Jetzt unterzeichnen

Politische Konsequenzen aus Tönnies-Skandal ziehen; Umbau der Nutztierhaltung forcieren

Sehr geehrte Frau Bundesministerin,

die erschreckenden Nachrichten über die massive Ausbreitung von Covid-19 in deutschen Schlachthöfen rücken die rechtswidrigen, menschenverachtenden und tierquälerischen Zustände in der Fleischproduktion erneut ins öffentliche Bewusstsein. Für die Produktion und den Export von Billigfleisch setzen Fleischbarone wie Tönnies ohne jeden Skrupel die Gesundheit von Menschen aufs Spiel. ...

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... Es ist skandalös, dass diese seit langem bekannten Missstände von der Politik und den Aufsichtsbehörden geduldet wurden. Sie tragen als Ministerin Verantwortung für die sichere Versorgung mit gesunden Lebensmitteln. Wie kann es sein, dass im größten Schlachthof Deutschlands tausende von Mitarbeitern Tag für Tag ihre Gesundheit riskieren? Warum haben Sie dem unverantwortlichen Treiben des Tönnies-Konzerns so lange untätig zugesehen? 

Sie haben zum Amtsantritt als Ministerin geschworen, dass Sie das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen werden. Wir verstehen nicht, wie Sie zulassen können, dass für die Erzeugung von Billigfleisch seit Jahren geltendes Tierschutzrecht ausgesetzt und damit das Verfassungsgebot zum Tierschutz massenhaft unterlaufen wird.

Sie sind stellvertretende Vorsitzende der Christlich Demokratischen Union, die sich den christlichen Grundwerten und der Bewahrung der Schöpfung verpflichtet fühlt. Wie verträgt sich dies mit der Unterstützung  einer industriellen Fleischerzeugung, für die Tiere in viel zu engen Ställen und Kastenständen gequält werden? Wie ernst nehmen Sie Ihre Pflicht zur Bewahrung der Schöpfung, wenn Sie in Kauf nehmen, dass zum Anbau von Soja, das hier an Mastschweine verfüttert wird, wertvolle Ökosysteme in Südamerika unwiederbringlich zerstört und indigene Bevölkerungsgruppen vertrieben werden?

Sie wissen, dass es nicht einzelne “schwarze Schafe” sind, die unmenschliche Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen oder Tierquälerei in engen Ställen zu verantworten haben. Die industrielle Erzeugung von Billigfleisch ist ein krankes System, das Tiere quält, unsere Gesundheit gefährdet, der Umwelt schadet und die Klimakrise anheizt.  Deshalb brauchen wir einen grundlegenden Umbau der Tierhaltung und Fleischproduktion in Deutschland. Bis 2050 müssen wir die Produktion und den Verbrauch von Fleisch um mindestens die Hälfte senken. 

Der Deutsche Ethikrat hat erst kürzlich den mangelnden Tierschutz in Deutschland unmissverständlich gerügt und Eckpunkte für eine ethisch verantwortliche Nutztierhaltung vorgelegt. „Ich kenne kein einziges Rechtsgebiet, in dem so heuchlerisch vorgegangen wird wie im Tierschutzrecht“, sagt Steffen Augsberg, Sprecher der Arbeitsgruppe Tierwohl im Deutschen Ethikrat. Er verlangt ein grundsätzliches Umsteuern in der Nutztierhaltung. 

Sehr geehrte Frau Bundesministerin, wir appellieren daher eindringlich an Sie, noch in dieser Legislaturperiode konkrete Maßnahmen zum Umbau der Tierhaltung und der Fleischproduktion in Deutschland zu ergreifen:

  • Setzen Sie konsequent geltendes Tierschutzrecht durch: Mit lange geduldeten Verstößen wie der betäubungslosen Ferkelkastration, dem Kükenschreddern oder der Haltung von Sauen in engen Kastenständen muss endlich Schluss sein. Passen Sie die Nutztierhaltungsverordnungen an das Tierschutzgesetz und die neuesten wissenschaftliche Erkenntnisse der Tierforschung an.
  • Schaffen Sie Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher, die nicht länger Fleisch von Tieren kaufen wollen, die in engen Ställen gequält wurden. Führen Sie eine gesetzlich verpflichtenden Haltungskennzeichung für alle Fleischprodukte ein.
  • Setzen Sie die Vorschläge der Borchert-Kommission zur Verbesserung des Tierwohls um. Schaffen Sie mit einer zweckgebundenen Tierwohl-Abgabe eine sichere finanzielle Basis für die gezielte Förderung von landwirtschaftlichen Betrieben, die in mehr Tierwohl investieren. 
  • Stellen Sie mit der Verabschiedung eines Lieferkettengesetzes sicher, dass Unternehmen in Deutschland entlang der gesamten Wertschöpfungskette soziale und ökologische Standards einhalten, die eine Ausbeutung von Menschen und die Zerstörung wertvoller Ökosysteme wie dem Amazonas verhindern.
  • Treten Sie dafür ein, dass die Verteilung von EU-Subventionen nach der Größe der bewirtschafteten Fläche ein Ende hat. Machen Sie sich bei der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) dafür stark, dass mit den Steuergeldern in Milliardenhöhe nur landwirtschaftliche Betriebe gefördert werden, die gesellschaftlich erwünschte Leistungen zum Schutz von Umwelt, Arten und Klima erbringen.

Wir hoffen auf Ihre Verantwortung für eine grundlegende Reform der Nutztierhaltung und stehen Ihnen jederzeit für einen persönlichen Austausch zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

Martin Kaiser

Geschäftsführender Vorstand Greenpeace

 

 

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